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Schreiben

Zweifeln!

Ich habe jetzt zum dritten mal einen ersten Blogartikel übers Schreiben angefangen. Aber noch nie einen beendet. Oh, the irony. Ich wünschte, ich würde scherzen, schrieb ich bei Facebook. Und es stimmte.

Tobi, ich finde, der Post ist der perfekte Anfang für einen Blogartikel übers Schreiben, schrieb die reizende Kollegin Katinka Buddenkotte zurück. Und Recht hatte sie eigentlich.

Jetzt sitze ich also hier an Versuch vier. Ich möchte gerne über das Schreiben bloggen. Vielleicht eine kleine Reihe starten. Einfach, weil ich es spannend finde. Und vielleicht liest es ja jemand und freut sich über die Tipps. Ich weiß es nicht. Zweifle, ob es vermessen ist, anderen Menschen Ratschläge über das Schreiben anzubieten. Also geht es Anfangs genau darum. Um es uns allen einfacher zu machen, wollte ich eigentlich in irgend einem fancy Café sitzen, einfach für´s Klischee. Aber Schreiben hat so wahnsinnig wenig mit diesem Klischee zu tun. Da ich menschenscheu bin sitze ich nun stattdessen in meiner Küche, da gibt es sowieso den besten Kaffee, und lasse mir von Jan-Phillip Zymny aus der Wohnung gegenüber zuwinken. Reizender Kollege, ebenso wie Frau Buddenkotte.

Wie dem auch sei.

Keinen Anfang zu finden ist wahrscheinlich nur ein Symptom. Ich zweifle. Zweifle, ob das überhaupt wen interessiert, und ob es überhaupt gut wird. Ob es relevant ist, was ich tue und denke und fühle, was ich beantworte, was ich frage. Und das ist super, wenn man schreiben will. Denn es hält einen davon ab, zwanzig Seiten in die Tastatur zu hauen und es noch in der selben Nacht als e-Book bei amazon zu veröffentlichen. Mein Zweifel ist eine Qualitätskontrolle. Was nicht heißen soll, dass das hier gut ist, was ich tippe. Aber es ist zumindest durch eine Kontrolle gegangen. Und Kunst braucht das wohl. Keine Zensur, aber eine ordentliche Portion Zweifel an erster Stelle. Zweifel bremsen, aber sie zwingen einen auch(oder: zumindest mich) in einen kritischen Blick auf das, was man da tut.

Die digitale Welt ist voll unlektorierter Katzenerotik als e-Book.

Vielleicht zweifeln diese Menschen nicht genug. Ich weiß es nicht. Ich jedenfalls habe lernen müssen, dass Zweifel mein bestes Werkzeug sind, wenn es darum geht, etwas zu Papier zu bringen. Und deshalb, mein wichtigster Ratschlag, wenn es um´s Schreiben, oder auch Kunst generell geht:

Zweifelt. Zweifelt hart.

Fragt euch, für wen ihr schreibt. Ganz ehrlich. Wer von sich behauptet, er schriebe nur für sich selbst muss das natürlich alles nicht beachten. Aber dann muss man es eben auch nicht veröffentlichen.

Für die Ehrlichen unter uns: ihr schreibt für ein Publikum. Eines, das euch lesen soll. Klar im Kopf zu haben, dass man für ein Publikum schreibt bedeutet nicht, sich anzubiedern. Gefällig zu sein. Ganz im Gegenteil. Es bedeutet vielmehr, einen klaren Maßstab zu haben, was euer Text können soll. Ob ihr den immer erfüllt – das weiß man ja vorher nie. Aber ihr solltet es zumindest wollen. Maßstäbe sind für mich ein bisschen wie die Sprunghöhe über so eine selbstgebaute Todesfalle aus rotierenden Sägeblättern: lieber zu hoch als zu niedrig. Gott bewahre, bitte nicht zu niedrig.

Und wenn ihr dreißig mal scheitert an den zu hohen Ansprüchen, und ihr wieder alles wegwerft – dann ist das so. Ihr werdet nie schreiben wie Stephen King. Was aber lediglich daran liegt, dass ihr nicht Stephen King seid. Ihr seid ihr.

Aber: überprüft eure Ansprüche auch. Sind sie überhaupt zu erreichen? Die Antwort sollte immer ‚JA‘ lauten. Sonst hat die ganze Sache natürlich keinen Sinn. Nehmt euch keine Vorbilder. Macht euren eigenen Scheiß. Versucht nicht, so spannend, so lustig, so irgendwie zu schreiben wie XY. Ich habe das lange, lange Jahre versucht. Und bin an diesem Anspruch gescheitert.

Schaut einfach auf euer Publikum. Setzt euch dazu. Würdet ihr lesen wollen, was ihr schreibt?

Zweifelt. Ein bisschen. Auch, wenn es anstrengend ist. Es lohnt sich.